Was Käufer zuerst in den Zahlen prüfen
Wer eine Prüfung erwartet, bereitet meistens den Gewinn vor. Geprüft wird zuerst etwas anderes.
Die Vorstellung, ein Käufer schaue zuerst auf den Gewinn, ist naheliegend und falsch. Der Gewinn steht im Abschluss und ist in einer Stunde gelesen. Was länger dauert und die Verhandlung prägt, ist die Frage, ob man den Zahlen über mehrere Jahre trauen kann.
Konsistenz vor Höhe
Drei Jahre mit derselben Abgrenzung, denselben Definitionen und ohne stille Umbuchungen sagen mehr aus als ein starkes letztes Jahr. Wo sich Kontenlogik, Umsatzabgrenzung oder Kostenzuordnung zwischendurch ändern, entsteht Prüfaufwand — und Prüfaufwand ist die Währung, in der eine Due Diligence teuer wird.
Das Working Capital erzählt die Wahrheit
Der zweite Blick gilt der Frage, wie lange Geld im Betrieb gebunden ist. Deloof hat 2003 im Journal of Business Finance & Accounting anhand von über tausend Unternehmen gezeigt, dass ein kürzerer Cash Conversion Cycle systematisch mit höherer Profitabilität zusammenhängt. Jaworski und Czerwonka haben diesen Befund 2024 in einer Meta-Studie über zahlreiche internationale Untersuchungen bestätigt.
Für die Vorbereitung heisst das: Zahlungsziele, Mahnwesen und Vorauszahlungen sind keine Verwaltungsthemen, sondern Bewertungsthemen. Sie lassen sich zudem im Gegensatz zu vielem anderen innerhalb weniger Monate verändern.
Der Punkt, an dem die Person auftaucht
Spätestens beim dritten Blick landet jede Prüfung bei der Frage, wie viel des Ergebnisses an einzelnen Personen hängt — an Kundenbeziehungen, an Preisgestaltung, an Zusagen, die nirgends stehen. Das ist der Übergang von der Finanzprüfung zur Abhängigkeitsfrage, und er kommt zuverlässig.
Was wir hier bewusst nicht behaupten
Damodaran referiert Pratts Vorschlag von 10 bis 25 Prozent für private Unternehmen, weitgehend im Ermessen des Gutachters. Daraus folgt kein pauschaler Preisabschlag für dein Unternehmen.